Dienstag, 16. Mai 2017

Alltagsmomente - Adios altbackener Herd

Mein Weg zum Induktionsherd

Bis vor zwei Jahren hatten wir noch einen altmodischen Herd zum Kochen. Wisst ihr, so ein schickes Teil mit vier Platten und dicken Drehknöpfen, die beim Drehen knacken. Als dieses antike Stück den Geist aufgab, musste kurzfristig ein neuer Herd her.

Wir steuerten kurzerhand ein Elektrofachgeschäft an. Ich wollte unbedingt einen ähnlichen Herd, wie ich ihn hatte, denn damit kam ich bestens zurecht. Oliver wehrte sich mit Händen und Füßen und er argumentierte, dass diese altbackenen Herde unglaublich viel Strom fressen würden.

Ein sehr netter Verkäufer kam auf uns zu begrüßte uns freundlich und fragte wie er uns helfen könne. Ich erzählte ihm, dass ich blind sei und welchen Herd ich mir vorstellen würde und was meine Wünsche seien. Er sagte natürlich prompt, dass Induktionsherde für Blinde das optimale sei. Oliver bekam vermutlich direkt ein Glitzern in den Augen.

Ich widersprach ihm und sagte ihm, dass ich sehr viel Angst habe mich zu verbrennen und all meine gewohnten Abläufe dann futsch seien. Daraufhin bat er uns mit an einen Induktionsherd zu kommen. Auf diesem Herd stand ein Topf mit Wasser. Er nahm meine Hand und fuhr mit ihr über die glatte Fläche des Herdes. Ich fühlte raue Stellen und er erklärte mir, dass dieses für die Töpfe sei, damit man weiß, dass sie genau dort stehen sollen. Gut, ein erster skeptisch zugegebener Pluspunkt für einen Induktionsherd.

Und was ist mit der Verbrennungsgefahr, fragte ich? Er schaltete die Platte, worauf der Topf stand an und in Windeseile fing das Wasser an zu kochen. Ich war fasziniert. Er drehte das Kochfeld ab, zog den Topf von dieser Stelle und nahm meine Hand. Oh mein Gott dachte ich und sah mich schon mit lauter Brandblasen an meiner Handinnenfläche. Erst weigerte ich mich meine Hand auf diese Stelle zu legen und dann sprang ich über meinen Schatten und legt sie einfach auf diese Stelle. Ich war überrascht, denn die Stelle an der der Topf gestanden hatte war nur noch warm, mollig warm.

Der Verkäufer und Oliver waren die absoluten Gewinner dieses Verkaufsgesprächs, denn nach weiteren Erläuterungen und Erklärungen war auch ich langsam überzeugt von einem Induktionsherd.

Ich erklärte dem Verkäufer, dass die Drehknöpfe beim Drehen mindestens ein Klacken von sich geben müssten, damit ich durch das Knacken mitzählen kann, wie hoch ich die Temperaturstufe eingestellt habe.

Wir durchforsteten die Küchenabteilung und wurden schließlich bei einem Herd fündig. Tatsächlich klackten und klickten die Drehknöpfe, während ich sie drehte. So konnte ich mir den Umgang mit dem Herd gut vorstellen und doch wusste ich, dass eine Lernzeit auf mich zukommen würde.

Natürlich hatte dieser Induktionsherd auch seinen Preis und ich sagte dem Verkäufer, dass ich mir dies mit Oliver zusammen noch überlegen müsste. Innerlich hatte ich ihn schon gekauft, gab dies aber Oliver gegenüber nicht zu. Sollte er ruhig noch ein bisschen zappeln. Zwei Tage später fuhren wir wieder zu diesem Geschäft und kauften diesen Induktionsherd schließlich.

Heute bin ich ein großer Fan von diesem Herd und auch von dem Backofen. Ich koche sehr gerne darauf und backen, sowieso!

Diese Induktionsherde sind für sehbehinderte- und blinde Menschen absolut gut geeignet, da sie die Verbrennungsgefahr fast ausschließen und durch die Geräusche eine gute Handhabung gewährleisten.

Bis heute, habe ich mich noch nie verbrannt!

Jederzeit wieder, Ihr Lieben.

Eure Kerstin

PS: Habt ihr Fragen die euch auf der Seele brennen und dir ihr schon immer mal einem blinden Menschen stellen wolltet? Was interessiert euch? Fragt mich doch einfach und schmeißt eure Berührungsängste einfach über Bord.

Anmerkung:

Dieser Beitrag enthält ein Bild. Darauf seht ihr einen uralten, wackeligen Herd im Grünen vor einem Felsen, auf dem uralte Töpfe und Schüsseln stehen, wie aus Großmutters Zeiten. 

Kommentare:

  1. So einen Herd, wie auf Deinem Foto, liebe Kerstin, hatte ich als kleines Mädchen für meine Puppenstube. Was habe ich das Teil geliebt. Dein neuer Herd möge Dir mindestens genau so lange Freude machen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo, liebe Anne. Auch bei dir muss ich mich entschuldigen für meine verspätete Antwort. In den letzten Tagen hatte ich sehr starke Kopfschmerzen und wollte einfach nur meine Ruhe. Einen soll's Oma-Herd hätte ich wenn ich in besessen hätte – nicht hergegeben. Ich hatte nur einen Elektroherd mit vier Platten und nicht einen solchen Oma-Herd. Mein neuer Herd und Backofen sind einfach klasse und sie machen mir sehr sehr viel Freude. Also, auch dir ein wunderschönes, und hoffentlich sonniges Wochenende. Grüße aus dem Saarland… Kerstin 😘

      Löschen
  2. Hallo Kerstin, das Bild von diesem Herd ist mir sofort aufgefallen. Ich liebe diese Oma-Herde und wenn ich irgendwo Platz hätte würde schon längst einer hier stehen - einfach zur Deko.
    In Sachen Induktionsherd hab ich mir noch nie einen Kopf gemacht. Ich wusste gar nicht das die Platten gar nicht richtig heiß werden, sondern es direkt über den Topfboden geleitet wird. Wieder etwas gelernt. Zum Beispiel auch das solch alltägliche Dinge wie Kochen auch eine Gefahr für Blinde darstellen.
    Wie handhabst du das mit Treppen oder herumliegenden Gegenständen? Das stelle ich mir auch sehr gefährlich vor. Benutzt Du einen Blindenstock?
    Bis zum nächsten Mal
    Liebe Grüße
    Kerstin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo, meine Liebe. Ich muss mich entschuldigen. Ich wurde in den letzten Tagen von starken Kopfschmerzen geplagt. Daher auch erst jetzt meine Antwort. Einen solchen Herd wie auf dem Foto habe ich nicht besessen. Es war ein ganz normaler, alter Elektroherd mit vier Platten. Einen solchen Herd wie auf dem Foto hätte ich natürlich auch sehr gerne – wenn nur zu Deko. ja-Induktion ist echt eine Supersache und ich bin total begeistert. Zum Thema Treppen und herumliegenden Sachen, liebe Carsten folgen natürlich auch noch Berichte. Also, bis bald und ein schönes Wochenende… Kerstin 😘

      Löschen
  3. Hey,

    du bist ja echt gemein, dass du deinen Mann so zappeln lässt. ;)

    Der alte Herd auf dem Bild ist toll. So einen hatte meine Uroma auch in der Waschküche stehen. Ich habe den geliebt. Leider hat mein Onkel den mittlerweile verschrottet. :(

    Ganz lieben Gruß
    Steffi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Steffi. Auch bei dir muss ich mich entschuldigen. Ich hatte in den letzten Tagen sehr starke Kopfschmerzen und es stellte sich auch schon die Frage, ob wir ins Krankenhaus fahren. Ja-zum Thema zappeln lassen muss ich lachen. Oliver hat seinen willen nicht sofort durchsetzen können. Auch dir muss ich sagen, dass ich nicht einen solchen Herd wie auf dem Foto hatte. Leider… ich habe diese Oma-Herde noch bildlich vor Augen und ich mag sie total gerne. Also, auch dir ein wunderschönes Wochenende und hoffentlich mit viel Sonnenschein. Liebe Grüße aus dem Saarland… Kerstin 😘

      Löschen